- Teil 5 -


Wieder zuhause hatte ich dann noch einige abstruse Ideen, wie ich dem übermäßigen Haarwuchs Einhalt gebieten könnte

Die möglichen unheilvollen Folgen vor Augen, besann ich mich dann doch eines besseren und ließ weitere Sebstversuche bleiben.

Statt dessen machte ich mir noch einen gemütlichen Nachmittag vor dem Fernseher. Nach soviel Aufregung mußte ich einfach ein wenig abschalten und auf andere Gedanken kommen.

Vor dem Schlafengehen sollte ich noch die homöopathischen Pillen einnehmen, was mich wiederum vor ein kleines Problem stellte - ich hatte vergessen, wieviele ich von den Pillen zu nehmen hatte.

Als ich rätselnd vor dem Badezimmerspiegel stand erschienen mir drei dieser mickrigen Pillen wirklich zu wenig und so dosierte ich einfach mal nach Gefühl und nahm einen guten "Schluck aus der Pulle".

Und das blieb nicht ohne Wirkung. Die mir vertraute Welt schwand dahin und ich trat ein in eine andere Welt, voll mit bunten Farben.

Wie lange dieser Zustand andauerte, vermag ich nicht zu sagen, ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.

Als die Farben allmählich verblassten, brummte mir mächtig der Kopf und ich fand mich seltsamerweise an einem ganz anderen Ort wieder. Und augenblicklich wurde mir bewußt, dass dies der Ort aus meinen Träumen sein mußte. Auch das "Spinnennetz" war da. Aber es war in Wirklichkeit nur ein Fenstergitter und von der Riesenspinne fehlte auch jede Spur.

"Aha", sagte ich mir, "wahrscheinlich träume ich noch". Und es war schon ein komisches Gefühl, wenn man träumt und zugleich weiß, dass man träumt. Ich entsann mich, auch früher schon einmal so etwas erlebt zu haben, aber damals war die Situation so unheimlich, dass ich alles versuchte, um wieder aufzuwachen.

Jetzt war es aber anders. Irgendwie aufregend und abenteuerlich. Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Ich schaute mich um und entdeckte einen düster anmutenden Weg, der einen Berg hinauf führte.

Ich beschloß, diesem Weg zu folgen, der auch Teil meiner Träume war.

Was dann geschah, mit dem hatte ich allerdings überhaupt nicht gerechnet:

Diese ganze Traumwelt mit ihren besonderen Farben verblasste zusehends und ich bemerkte bald keinen Unterschied mehr zur "realen" Welt. Der Weg war jetzt ein ganz gewöhnlicher und auf einmal kam es mir so vor, als wäre all das plötzlich kein Traum mehr.

Das war ja seltsam! "Vielleicht bin ich meinem Delirium blindlings hierher gelaufen?", dachte ich mir. So musste es wohl sein. Aber es war wirklich eigenartig: Ein nahtloser Übergang von der Traumwelt in die Realität - "Das ist ja wohl das Verrückteste, das man erleben kann!", sage ich mir...

...und erneut sollte ich mich irren.

Schließlich gelangte ich an die Felswand, wo in meinen Träumen normalerweise das Monster auf mich lauerte - doch von diesem fehlte jede Spur. Und ehrlich gesagt, war ich auch ganz froh darüber: Im Traum konnte ich dem Monster nur durch Aufwachen entkommen. Aber ich war mir nicht sicher, wie ich das in diesem "Zustand" schaffen sollte.

Und dann erblickte ich, versteckt hinter einigen Sträuchern, den Eingang zu einer Höhle.

Ich hielt dort einige Zeit inne. Eine unbeschreibliche, eigenartige Ausstrahlung ging von dieser Höhle aus. Ob ich mir das genauer ansehen sollte? Vielleicht sollte ich doch besser wieder umkehren? Mir wurde ein bisschen mulmig.

Doch ich wusste, ich musste jetzt eine Entscheidung treffen...

...Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht vorhersehen...

...Entscheidungen die man treffen muß, ohne das Ergebnis abschätzen zu können...

...irgendwie weiß man, was zu tun ist...

...tut man es nicht, dann wird man hinterher keinen Frieden finden...

...tut man es, wird nichts mehr so sein, wie es war...

was hatte ich zu verlieren? Schlimmstenfalls: Mein Leben? Das ist eines Tages ohnehin zuende!

Ich betrat also die Höhle.

Schon bald hatte mich die Dunkelheit verschluckt und ich wartete, bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten

"Das ist keine normale Dunkelheit hier", sagte ich mir, "...das ist fortgeschrittene Dunkelheit!", ging es mir durch den Kopf und ich musste schmunzeln - zumindest hatte ich meinen Humor nicht verloren.

Andererseits war mir eigentlich gar nicht nach Lachen zumute. Es konnte ja alles mögliche passieren. Vielleicht lebt hier ein wildes Tier, das mich gleich anfällt, oder ich stürze in die Tiefe - denn nach einigen Metern sah ich nicht einmal die Hand mehr vor den Augen.

Ich wollte wieder umkehren. Doch irgend etwas zog mich weiter in die Dunkelheit.

Eine seltsame Atmosphäre hier. Irgend etwas lag in der Luft.

Und urplötzlich war da dieses Licht.

Unglaublich hell und unbeschreiblich anders als alles was ich kannte.

Reflexartig schloss ich die Augen.

"WEISSE FLAMMEN" schoss es durch meinen Kopf.

Ein Funke sprang auf mich über...

"DIE TRANSFORMATION BEGINNT!"

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